Urs Allemann

 

Klassizistische Aberration: Carruthers-Sonett

 

Ich! ich! hatte Carruthers mit dem Spaten,

den alten Luststrolch, ich! hatte ihn nieder-

geschlagen, ihm fick!fack! das Glied der Glieder

vom Rumpf gehackt und es mit Präparaten

 

zur Haltbarmachung des Gemächts von Schraten

so lang gebeizt, getrocknet (Farbe: Flieder),

bis, nie! nie! kehrt, was nie gewesen, wieder,

es, Organon einst schriller Kosetaten,

 

mit denen Onkel Joseph (Stößigkeiten,

Reindringlichkeiten) Beat pläblessierte,

bis, weggehext Fleischcrash, Verwesungspleiten,

 

es mich?, falls äuglings ich? ich? nach ihm gierte,

statt in Kindsgurgeln Würgspaß auszuspreiten,

vom Schreibtisch als Dekoschröckschwanz anstierte.

 

aus: Urs Allemann. Carruthers-Variationen.
Klever Verlag 2022.

Buchveröffentlichungen von Urs Allemann, zuletzt:
Carruthers-Variationen (2022)


Urs Allemann | Geboren 1948 in Schlieren bei Zürich. Studium der Germanistik, Anglistik, Soziologie und Sozialpsychologie. Er arbeitete von 1986 bis 2004 als Literaturredakteur bei der Basler Zeitung und lebt seit 2013 als Autor und Poesie-Performer in Goslar.
Schweizer Literaturpreis 2014.

Dabei macht Allemann doch immer nur Worte aus Worten. Er nimmt sie andern aus dem Mund, dreht sie in seinem eigenen um und legt sie wieder da hinein, wo sie herkamen. [...] Urs Allemann ist zweifellos der poetischste aller Dialektiker und der dialektischste aller Poeten.

Samuel Moser