Dietrich Heißenbüttel spricht anlässlich des 100. Geburtstags seines Vaters im Jahr 2021 über die tiefe Beziehung des Dichters und Theoretikers Helmut Heißenbüttel zur Bildenden Kunst. Der Vortrag hätte eigentlich beim ausgefallenen Lyrikertreffen Münster 2021 gehalten werden sollen und wird nun digital präsentiert.
 


Helmut Heißenbüttel und die Bildende Kunst

Seit ich denken kann, war ich in meiner Kindheit von Kunst umgeben. Mein Vater hat schon in seiner Schulzeit viel gemalt und gezeichnet. Später wollte er Kunst studieren, um Lehrer zu werden, und auch als er bereits im Doppelberuf als Rundfunkredakteur und Schriftsteller tätig war, hat er sich künstlerisch betätigt, wenn auch nur privat. Zu dieser Zeit hat er, wie es das Einkommen erlaubte und wie sich die Kontakte ergaben, auch Kunst gesammelt und in seinem Leben mindestens 100 Reden zu Ausstellungseröffnungen gehalten. Dies alles ging immer Hand in Hand, wobei ihn die Bezüge zu seiner eigenen, schriftstellerischen Tätigkeit besonders interessierten. In seinem letzten Arbeitszimmer wird Alles, ob vom professionellen Künstler angefertigt, gefundene Objekte oder mit Goldtusche überarbeitete Geschäftsbriefe und Aktfotos, zur Kunst. Die Trennung von Kunst und Leben ist aufgehoben.

Dietrich Heißenbüttel

 

Helmut Heißenbüttel | 1921 in Rüstringen geboren, studierte Architektur, Germanistik und Kunstgeschichte in Dresden, Leipzig und Hamburg. Er war Schriftsteller, Kritiker und Essayist, Mitglied der Gruppe 47, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, der Freien Akademie der Künste in Hamburg und derAkademie der Künste in Berlin. Für sein Werk wurde er mehrfach ausgezeichnet, 1969 mit dem Georg-Büchner-Preis. Helmut Heißenbüttel starb 1996 in Glückstadt.