Bei einem Thema sind sich deutschsprachige Kritikerinnen und Kritiker erstaunlich einig: Sobald sie Pathos in der Dichtung wittern, schlagen sie Alarm. Ergriffenheit, feierliche Leidenschaft, ein (über)groß ausgedrücktes Gefühl: All das, was hinter dem griechischen Ausdruck páthos stecken mag, scheint nicht so leicht verträglich zu sein.

Wie pathosverträglich ist eigentlich die deutsche Sprache? Aus welchen Gründen weckt Pathos in deutschen Ohren oft Misstrauen und Unmut? Lässt sich die richtige Dosis Pathos bestimmen?

In poetischen Appetizern möchten wir Dichterinnen und Dichter zusammenbringen und dabei möglichst viele unterschiedliche, auch experimentelle Pathos-Positionen ins Feld holen. Gestartet wird mit einer Bestandsaufnahme des Verhältnisses von Lyrik und Pathos heute. Unter dem Titel 10 Takes on Pathos teilen eingeladene Dichterinnen und Dichter kurze Statements. Diese Pathos-Miniaturen machen den Auftakt, um das Motiv über ein Jahr bis zum nächsten Lyrikertreffen im Mai 2022 und über verschiedene Stationen hinweg weiterzutragen und kollektiv zu erforschen.

Die Statements werden von der Postkartenaktion „Pathos per Post“ begleitet. Pathos-Gedichte finden den Weg in die heimischen Briefkästen, begleitet von der Bitte, selbst Pathos- oder Antipathos-Gedichte zurückzuschicken. Ausgewählte Gedichte werden nach und nach Teil der digitalen Pathos-Galerie. Wir freuen uns auf Ihre Einsendungen!