Jan Wagner

 

Die Eulenhasser in den Hallenhäusern

Ihre Seelenruhe - dahin. Anlaß: den Eulen
Ihr andauerndes Heulen, Sehnen. Sie alle
Sinnen lausleise, handeln häherrüde:
In den Hallenhäusern die Eulenhasser
Lassen heisere Hunderudel anleihen, an
Halsleinen Halderüden hereinsausen.
Sieh sie lauern, lauern, Halsende dehnen:
Herausheulen, dann die Sense her. Allein,
Helas!: Diese elenden, hirnlauen Husaren­-
Hasenhunde dienern alle, säuseln ihre
Süßeleien: ‚ne Hündin, Hera. Allerhand.
Hin, heran ans Liedende: reale Heulsusen,
Heldensuada. Ihr Ansinnen: leere Hülse.
Da harren sie, dienen als Sühnehüllen,
An der Haussäulenreihe lehnend, senil,
Harnnässe leidend. Urahnleise heulen
Die Eulenhasser in den Hallenhäusern.

aus: Die Eulenhasser in den Hallenhäusern. Drei Verborgene. Gedichte. Berlin: Hanser 2012

Gedichtbände, zuletzt:
Australien. Gedichte. (2010)
Achtzehn Pasteten. Gedichte. (2007)


Jan Wagner | Geboren 1971 in Hamburg. Lebt in Berlin. Lyriker, Essayist und Übersetzer aus dem Englischen. Friedrich-Hölderlin-Preis der Universität Tübingen 2011 und Stipendium der Deutschen Akadamie Villa Massimo 2011 Rom. Kranichsteiner Literaturpreis 2011.

Jan Wagner spielt sprachpräzise und fantasievoll mit Klischees. Liebevoll hat der Autor Widerhaken und winzige Webfehler in ihre (der fiktiven Dichter) Verse eingeschleust. Beißende Satire aber spricht aus den aufgeblähten Fehden der Literatur- und Sprachwissenschaftler im germanistischen Apparat, in den Kommentaren und Quellenangaben. Welch eine herrliche Parodie auf die Zunft.

Dorothea von Törne

Jan Wagner
Jan Wagner | © VillaMassimo-AlbertoNovelli