Dirk von Petersdorff

 

1989 ff.

Die Oberförster plötzlich ohne Land,
erzählten Märchen in das Mikrophon,
mit schnellen Herzen lagen wir am Strand,
und was man träumte, das passierte schon.
Da hielt Elektropop die Welt zusammen,
da drehte sich ein Kind im Kreis, im Kreis,
als Wolkenschatten über Länder schwammen,
und keiner, der die Hauptstadt Lettlands weiß.
Denn damals lernten die Propheten lächeln,
so viele Fransen hingen aus der Jeans,
der Abendwind bereit zum Haarefächeln,
und weiches Wasser bricht den Stein, so schiens.
                   Wie fallen Mauern um: Mit Leichtigkeit,
                   und wann wird das geschehen: jederzeit.


aus: Nimm den langen Weg nach Haus.
Ausgewählte und neue Gedichte. C.H. Beck, München 2010

Buchveröffentlichungen, zuletzt:
Geschichte der deutschen Lyrik (2008)
Die Teufel in Arezzo (2004)
Bekenntnisse und Postkarten (2001)


Dirk von Petersdorff | Geboren 1966 in Kiel, lebt in Jena. Lyriker, Erzähler, Universitätsdozent, Essayist



Die neue Gedichtsammlung von Dirk von Petersdorff öffnet einen gewaltigen Spiegelsaal von Bildern. Dies ist das Werk eines wichtigen Zeitgenossen.

Lars Gustafsson

Dirk von Petersdorff
Dirk von Petersdorff | © C.H.Beck