<div class="row"> <div class="col-md-6"> <h1> Daniel Bănulescu </h1> <figure> <img class="image" alt="Daniel Bănulescu" width="200" height="200" src="/fileadmin/_processed_/7/4/csm_banulescu_f9fd6e412b.jpg" title="Daniel Bănulescu" /> <figcaption>Daniel Bănulescu | © Manfred Thomas, Münster </figcaption> </figure> <h2> Biblioteca municipală "Mihail Sadoveanu" </h2> <div class="bodytext"> <p>Doar cărțile au alura unor nebuni autentici<br /> Coridoare fărâmițate aruncate prin camere<br /> Două-trei molii monstruoase<br /> Aşezate nervos pe paltonul victimei<br /> Şi extrăgând-o<br /> Pilotând-o cu bobârnace date de nemaivăzutele lor antene<br /> Către stingherul raft de literatură anglo-saxonă către Secția de Muzică<br /> Sala de Lectură şi Salonul de Levitație<br /> Câtă disperare în aceste case de toleranță<br /> Ale înțelepciunii<br /> Ca un purtător de boli ruşinoase te strecori din nou<br /> În vizuina paltonului tău şi te reîntorci în oraş<br /> Printre neguțătorii de mazăre şi vânătorii de capete<br /> Care-ți agită<br /> Precum un pumn imens pâinea zilnică<br /> </p> </div> </div> <div class="col-md-6"> <h1> Ernest Wichner </h1> <figure> <img class="image" alt="Ernest Wichner" width="200" height="200" src="/fileadmin/_processed_/e/4/csm_wichner_06d8bcc6a2.jpg" title="Ernest Wichner" /> <figcaption>Ernest Wichner | © Manfred Thomas, Münster </figcaption> </figure> <h2> Die städtische Bibliothek "Mihail Sadoveanu" </h2> <div class="bodytext"> <p>Allein die Bücher haben die Allüren echter Narren<br /> Zerstückelte in die Räume geworfene Flure<br /> Zwei-drei gewaltige Motten<br /> Die nervös auf dem Mantel des Opfers sitzen<br /> Es aussaugen<br /> Und es mit Stupsern ihrer formidablen Antennen<br /> Zum querstehenden Regal mit angelsächsischer Literatur lenken zur Musikabteilung<br /> Zum Lesesaal und zum Levitationsraum<br /> Wieviel Verzweioung steckt in diesen Bordellen<br /> Der Weisheit<br /> Als hättest du eine schandbare Krankheit<br /> Schlüpfst du wieder in die Höhle deines Mantels<br /> Und kehrst zurück in die Stadt<br /> Zu den Erbsenverkäufern und Kopnägern<br /> Die mit dem täglichen Brot dir drohen<br /> Wie mit einer gewaltigen Faust<br /><br /> </p> <p><sub><i>Aus dem Rumänischen von Ernest Wichner. Aus: Daniel Bănulescu: &quot;Schrumpeln wirst du wirst eine exotische Frucht sein. Gedichte&quot; Rumänisch/Deutsch. Aus dem Rumänischen und mit einem Nachwort von Ernest Wichner. Wien: edition per procura, Lana 2004</i></sub></p> </div> </div> </div> <div> <hr /> </div> <div class="row"> <div class="col-md-6"> <div class="bodytext"> <div class="lspalte"><p> <b class="bioname">Daniel Bănulescu</b> | Geboren 1960 in Bukarest. Nach Ingenieursstudium freier Schriftsteller in Bukarest. Mitglied des rumänischen Schriftstellerverbandes. 2008 Stipendiat der Akademie Schloss Solitude. 2005 Preis der Stadt Münster für Europäische Poesie. Buchveröffentlichungen in deutscher Übersetzung:<br /><br /> </p> <p><i> &quot;Schrumpeln wirst du wirst eine exotische Frucht sein.&quot; Übersetzt von ErnestWichner. Wien: edition per procura 2003 – &quot;Ich küsse dir den Hintern, geliebter Führer.&quot; Übersetzt von Aranca Munbeanu. Wien: edition per procura 2005 </i></p></div> </div> </div> <div class="col-md-6"> <div class="bodytext"> <p> <b class="bioname">Ernest Wichner</b> | Geboren 1952 in Guttenbrunn, Banat/Rumänien. Übersiedelte 1975 in die Bundesrepublik. Lyriker, Übersetzer, Literaturkritiker, Herausgeber, Mitglied des P.E.N. Deutschland. Seit 2003 Leiter des Literaturhauses Berlin. 2005 Preis der Stadt Münster für Europäische Poesie. <br /><i><br /></i> </p> <p><i>Buchveröffentlichungen/Übersetzungen (Auswahl): &quot;Die Einzahl der Wolken.&quot; (Gedichte rumänisch–deutsch. Übersetzt ins Rumänische von Nora Iuga. Bukarest: Verlag der rumänischen Kulturstiftung 2003 – &quot;Rückseite der Gesten. Gedichte.&quot; Springe: Zu Klampen 2003 – Daniel Bănulescu: &quot;Schrumpeln wirst du wirst eine exotische Frucht sein. Gedichte&quot; (Rumänisch–deutsch).Wien: edition per procura 2003 109</i></p> </div> </div> </div> <div> <hr /> </div> <h1> Begründung der Jury </h1> <div class="bodytext"> <p> Der Dichter Daniel Bănulescu und sein Übersetzer Ernest Wichner erhalten im Jahr 2005 den Preis der Stadt Münster für Europäische Poesie.<br /><br /> In der jüngeren Literaturgeschichte der poetischen Ketzerei nimmt der rumänische Lyriker Daniel Bănulescu eine herausragende Stellung ein. Als begnadeter ästhetischer Provokateur, der seine Häresien in Artistik zu verwandeln versteht, hat Bănulescu bereits zu Zeiten der finsteren Diktatur Nicolae Ceausescus die rumänische Literatur mit frivolen Versen aufgeschreckt. Das lyrische Alter Ego dieses Dichters sucht stets die Verbindung von Schönheit und Schock und stellt sich demonstrativ in die Tradition eines radikal amoralischen Ästhetizismus. Wenn der Autor in einer seiner bislang sechs Gedichtsammlungen &quot;Die Republik Daniel Bănulescu&quot; ausruft, dann zersetzt er gleichzeitig das Fundament dieser Republik durch Ironie.<br /> Bănulescus Republik wird regiert von einem verzweifelten Traditionszertrümmerer, der sich mit der Attitüde des vitalistischen Kraftprotzes maskiert. Dieses Ich, das so großspurig seine &quot;Konvulsionen&quot; besingt, ist in Wahrheit zerrissen von Schwächegefühlen und von der Empfindung der eigenen Kläglichkeit. Die vordergründig sexuellen Imaginationen gelten meist einem politischen Körper: dem repressiven Staatsapparat, der das freiheitsliebende Subjekt vergewaltigt. In der bizarren poetischen Republik des Daniel Bănulescu treffen also zwei gegensätzliche Kräfte aufeinander: der Wutschrei der Revolte und die boshafte Selbstironie. Jedes Gedicht definiert diese Kräfteverhältnisse neu – und setzt damit eine in der europäischen Lyrik einzigartige rebellische Energie frei.<br /> Der Dichter und Übersetzer Ernest Wichner ermöglicht dem deutschen Publikum seit vielen Jahren mit kongenialen Übertragungen faszinierende Einblicke in die bedeutendstenWerke der modernen rumänischen Literatur. In seiner Übersetzung des preisgekrönten Bănulescu- Auswahlbands &quot;Schrumpeln wirst du wirst eine exotische Frucht sein&quot; hat er auch gerade jene subtilen Ambivalenzen und semantischen Mehrdeutigkeiten ins Deutsche gebracht, mit denen sich die ketzerische Poesie des &quot;Wüterichs&quot; der Eindimensionalität des bloß Provokativen entwindet.</p> </div>