Hugo Claus

Hugo Claus
Hugo Claus | © Manfred Thomas, Münster

Georg Büchner

Signalement van het Hoger Groothertogelijk Hessisch Gerecht:
      21, 7 voet 9 duim van de nieuwe Hessische maat.
      Gewelfd voorhoofd, zeer kleine mond.

De zweren, de luizen
het schurft, de guillotine.
Waar flucht Danton?
In het trappenhuis
en dann in de son.

Wie gewond is zegt geen verzen,
bij bijt op een kat tussen zijn tanden,
de kat bevriest, sijn tanden ook.

      Bijzondere kenmerken: Frisse tint,
                                            sterk,
                                            slank,
                                            bijziende.

      13 januari 1837: ‘Lieve Minna, ik zie je altijd
      vor mij, doorheen de staarten van vissen,
      doorheen de fingers van kikkers.’

Hij zag genoeg.
Hej froeg genoeg.
Het mes em bom, woedende landbode,
bril en pen, docent.

      En onze kenmerken? Opgeblazen met
      zuurstof en helium, gewichtloos,
      vluchtend, vluchtend.

Maria Csollány | Waltraud Hüsmert

Maria Csollány | Waltraud Hüsmert
Maria Csollány, Waltraud Hüsmert | © Manfred Thomas, Münster

Georg Büchner

Steckbrief des Großherzoglichen Hessischen Hofgerichts:
      21, 7 Schuh 9 Zoll nach Hessischem Maß.
      Stirn: sehr gewölbt, Mund: klein.

Die Schwären, die Läuse,
die Krätze, die Guillotine.
Wohin flieht Danton?
Ins Treppenhaus
und dann in die Sonne.

Wer verwundet ist, spricht keine Verse,
er beißt auf eine Katze zwischen den Zähnen,
die Katze gefriert, seine Zähne auch.

      Besondere Kennzeichen: Frische Gesichtsfarbe,
                                            kräftig,
                                            schlank,
                                            kurzsichtig.

      13. Januar 1837: ‚Liebe Minna, ich sehe dich immer
      so halbdurch zwischen Fischschwänzen
      und Froschzehen.‘

Er sah genug.
Er fragte genug.
Mit Messer und Bombe, wütender Landbote,
Brille und Feder, Dozent.

      Und unsere Merkmale? Aufgeblasen mit
      Sauerstoff und Helium, gewichtlos,
      fliehend, fliehend.

Aus dem Niederländischen von Maria Csollány und Waltraut Hüsmert.
Aus: Hugo Claus: Gedichte. Niederländisch und deutsch.
Ausgewählt von Maria Csollány. Übertragung von Maria Csollány und Waltraud Hüsmert.
Stuttgart:©Klett-Cotta 2000


Hugo Claus | Geboren 1929 in Brügge, gestorben 2008 in Antwerpen. Lyriker, Romancier, Essayist und Übersetzer, Dramatiker, Filmemacher und Maler. Lange Aufenthalte in Frankreich, Italien und den USA.

Buchpublikationen in deutscher Übersetzung (Auswahl): "Gedichte. Niederländisch–Deutsch." Übersetzt von Maria Csollány und Waltraud Hüsmert. Stuttgart: Klett-Cotta 2001 – "Der Kummer von Belgien." Roman. Übersetzt von Waltraud Hüsmert. Stuttgart: Klett-Cotta 2008 Literaturpreise: Preis der StadtMünster für Europäische Poesie 2001, Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2008

Maria Csollány | Geboren 1932 in Tilburg, Niederlande. Ab 1944 in Ungarn, 1956 Flucht in die Bundesrepublik. Übersetzungen aus dem Englischen, Ungarischen und Niederländischen.

Übersetzungen: "Unbekannte Nähe. Moderne niederländische Lyrik bis 1980." Hg. Europäisches Übersetzerkollegium. Straelen: Straelener Manuskripte 1985 – Hugo Claus: "Gedichte." s.o. Preis der Stadt Münster für Europäische Poesie 2001

Waltraud Hüsmert | Geboren 1951 in Werdohl/Westfalen. Studium der Niederlandistik, Germanistik und Kunstgeschichte. Freie Übersetzerin.

Übersetzungen: Maarten t’Hart: "Ein Schwarm Regenbrachvögel." Frankfurt/M.: Suhrkamp 1988 – "Unbekannte Nähe." s.o. M. Csollány – Hugo Claus: "Gedichte." Stuttgart: Klett-Cotta 2000 – Hugo Claus: "Der Kummer von Belgien." Stuttgart: Klett- Cotta 2008 Übersetzerpreise: Preis der Stadt Münster für Europäische Poesie 2001, Else-Otten-Übersetzerpreis 2008


Begründung der Jury

Hugo Claus und seine Übersetzerinnen Maria Csollány und Waltraud Hüsmert erhalten den mit 30.000 DM dotierten Preis der Stadt Münster für Europäische Poesie 2001.

Nach Andrea Zanzotto / Donatella Capaldi, Ludwig Paulmichl, Peter Waterhouse (1993), Inger Christensen / Hanns Grössel (1995), Zbigniew Herbert / Klaus Staemmler (1997) und Gellu Naum / Oskar Pastior (1999) sind sie die fünften Träger eines Preises, der für ein dichterisches Werk und seine eigenständige Übersetzung vergeben wird.

Die Juroren Renate Birkenhauer, Michael Braun, Harald Hartung, Joachim Sartorius und Norbert Wehr waren einstimmig der Überzeugung, dass der Sammelband "Gedichte" ein bedeutendes dichterisches Werk repräsentiert und dass es sich bei der Übersetzung dieser lyrischen Lebenssumme um eine eigenständige übersetzerische Leistung handelt.

Hugo Claus, 1929 in Brügge geboren, gilt seit seinemDebüt mit achtzehn Jahren als genialisches Talent auf vielen Gebieten. Claus ist als Erzähler und Dramatiker, als Film- und Theaterregisseur hervorgetreten. Er hat Shakespeare und Georg Büchner übersetzt, und sein Roman "Der Kummer von Flandern" trug ihm Ruhm und Erfolg ein. Durch seine Mitgliedschaft in der Künstlergruppe "Cobra" ist er auch als Maler bekannt geworden. Der Lyriker Claus freilich, in seiner Heimat wohlbekannt und hoch geschätzt, war bis zum Erscheinen des Bandes "Gedichte" für den deutschen Sprachraum noch zu entdecken.
Der Lyriker Hugo Claus ist ein großer Experimentierer in Leben und Dichtung, ein Selbstsucher und Selbstversucher. Er wechselt virtuos die Register seiner Poesie. Ein Meister strenger Sonette und freier Rhythmen, meidet er das Glatte und Gefällige. In einem seiner "Unfrommen Gebete" läßt er Hekate sprechen, die hilfreiche und zugleich unheimliche Göttin, die Herrin von Zauberei und nächtlichem Unwesen: "Allein im Unvollkommenen / werde ich voll und dick. / Schönheit ist kein Gleichgewicht." Auf diesem dunklen Untergrund entfaltet sich die Skala eines umfangreichen lyrischen Werkes. Sie reicht von alten Vegetationsmythen zu sexuellen Kraftausdrücken, von Rekursen auf Volksromane zu Anspielungen auf populäre Seifenopern. Claus porträtiert Rubens und Rembrandt ebenso wie Lumumba oder eine anonyme Rundfunksprecherin. Er liefert lyrische Polaroids zu Jesus Christus, Randgedichte zu Dantes Inferno ebenso wie poetische Kommentare zu Epikur. So entfaltet Hugo Claus ein lyrisches Werk, das die Spanne von Alltag und Eros, von schöpferischer Anarchie und tiefer Geistigkeit in der Fülle seiner Töne und Register umfasst.

Nach Rosemarie Stills Übersetzung der „Spuren“ für eine bibliophile Edition ist die zweisprachige Ausgabe „Gedicht“e der gelungene Versuch, das große lyrische Œuvre von Hugo Claus umfassend und konzentriert einem deutschsprachigen Publikum zu präsentieren. Die Auswahl verdeutlicht die Themen- und Formenvielfalt einer breiten Produktion. Sie zeigt neben dem reifen auch den frühen kraftgenialen Hugo Claus. Maria Csollány und Waltraud Hüsmert meiden die Fehlschlüsse, die sich aus der vexierenden Nähe des Niederländischen und Deutschen ergeben können. Sie übersetzen genau und einfühlsam, so dass die poetische Kraft der Originale erhalten bleibt.