Die Jury


Der Jury gehören an:

Urs Allemann | Lyriker, Literaturkritiker

Michael Braun | Literaturkritiker, Herausgeber div. Lyrikanthologien

Cornelia Jentzsch | Literaturkritikerin

Johann P. Tammen | Lyriker, Erzähler, Essayist, Herausgeber, Literaturkritiker

Norbert Wehr | Herausgeber der Literaturzeitschrift Schreibheft, Literaturkritiker

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Jury 2017 | © Presseamt Münster/Britta Roski

Kulturdezernentin Cornelia Wilkens (3.v.l.) mit der Jury (v.l.):
Johann P. Tammen, Cornelia Jentzsch, Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson, Michael Braun und Norbert Wehr.
Es fehlt auf dem Foto Jurymitglied Urs Allemann. 


Begründung der Jury

Der norwegische Dichter Jon Fosse und sein deutscher Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel erhalten den Preis für Inter­nationale Poesie der Stadt Münster 2017.

Als preiswürdig erachtet die Jury den 2016 im Verlag Kleinheinrich edierten Band „Denne uforklarlege stille / Diese unerklärliche Stille“ mit norwegischen Gedichten von Jon Fosse, deutschen Übersetzungen von Hinrich Schmidt-Henkel und Radierungen von Olav Christopher Jenssen. Der Auswahl liegen Fosses norwegische Bände „Dikt i samling“ (2009) und „Stein til stein“ (2013) zugrunde.

Jon Fosse, 1959 in der norwegischen Küstenstadt Haugesund geboren, wuchs am Hardangerfjord auf und lebt heute als freier Schriftsteller in Oslo und in Hainburg an der Donau/Österreich. Er veröffentlichte zunächst Lyrikbände und Roma­ne, bevor er sich der Dramatik zuwandte. Mit ihr wurde er weltweit bekannt, seine über 30 Theaterstücke sind in 40 Sprachen übersetzt.

Anders als mit seinem dramatischen oder erzählerischen Werk ist Fosse als Lyriker in Deutschland dagegen so gut wie unbekannt, „Denne uforklarlege stille / Diese unerklärliche Stille“ ist die erste Übersetzung. Dieser Band ist geprägt von einer beeindruckend reduzierten Lyrik und einer großen mini­malistischen Intensität. Fosse verschwendet seine Sprache nicht an redundante Fülle oder bildnerische Opulenz. Worte setzt er nur dort, wo sie unvermeidlich werden. Trotz ihres kargen Sprachmaterials sind seine Gedichte enorm aufgeladen. Seine Poesie wird ausnahmslos schattiert von der komplexen Tragik wie Schönheit der menschlichen Existenz. Der beharrlich im Minoritätsidiom Nynorsk schreibende Dichter, der von der lutherischen Staatskirche zum Quäkertum wechselte und später zum Katholizismus, hört Gott, hört das Schöpferische vor allem in der Stille. Alles was er schreibt, ist verbunden mit innerem, nicht äußerlichem Erleben. Für Fosse bedeutet Schreiben Zuhören mit höchster Konzentration.

Hinrich Schmidt-Henkel, im gleichen Jahr wie Fosse in Berlin geboren, ist ein exzellenter Übersetzer nicht nur von Lyrik, sondern darüber hinaus auch von Prosa und Theaterstücken aus dem Französischen, Norwegischen und Italienischen ins Deutsche. Ihn zeichnet eine beeindruckende Sprachgenauigkeit und Sprachsensibilität aus.

Mit der Verleihung des Preises für Internationale Poesie der Stadt Münster an Jon Fosse und seinen deutschen Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel würdigt die Jury eine eigenständige poetische Stimme, die auf einem ungewohnt konzen­trierten Umgang mit Sprache innerhalb einer von Sprachflut, Wortreizen und Darstellungsverführungen durchzogenen Moderne beharrt, und einen Übersetzer, der diese Stimme absolut authentisch ins Deutsche zu übersetzen vermag.