Lyrikertreffen Münster und Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie

Das Lyrikertreffen Münster gehört seit 1979 zu den herausragenden internationalen Kulturereignissen in Münster. Das Kulturamt der Stadt Münster richtet das Literatur-Ereignis im Biennale–Rhythmus aus. In Lesungen, Vorträgen und Gesprächen werden Begegnungen zwischen Publikum, Lyrikerinnen und Lyrikern, zwischen Literaturwissenschaft und Literaturvermittlung ermöglicht.

Im Rahmen des Festivals wird seit 1993 der "Preis der Stadt Münster für europäische Poesie" verliehen. Ausgezeichnet werden damit ein international rezipierter Lyrikband und dessen eigenständige Übersetzung. Anlässlich seiner zehnten Verleihung 2011 wurde der "Einzugsbereich" des Preises über die Grenzen Europas hinaus erweitert. Unter dem neuen Titel „Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie“ kann er auf die politische Globalisierung eine weltliterarische Antwort geben.


Poesiepreis 2017 geht an Jon Fosse und Hinrich Schmidt-Henkel

Jon Fosse
Jon Fosse | © Tove Breistein
Hinrich Schmidt-Henkel
Hinrich Schmidt-Henkel | © Ebba D. Drolshagen

Jon Fosse, norwegischer Dramatiker und Dichter, wird mit dem Preis für Internationale Poesie der Stadt Münster ausgezeichnet. Geehrt werden der 1959 in der Fjordlandschaft der Küstenstadt Haugesund geborene Schriftsteller und sein deutscher Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel für den zweisprachigen Gedichtband „Denne uforklarlege stille / Diese unerklärliche Stille“ (2016) - einem Band, der geprägt ist von einer „beeindruckend reduzierten Lyrik und einer großen minimalistischen Intensität“, so die Jury. Trotz ihres kargen Sprachmaterials seien Fosses Gedichte „enorm aufgeladen“.
Die Ehrung erfolgt am 21. Mai 2017 zum Abschluss des Internationalen Lyrikertreffens in Münster. Autor und Übersetzer teilen sich die Preissumme von insgesamt 15.500 Euro.
Jon Fosse lebt in Oslo und im österreichischen Hainburg an der Donau. Für seine Romane und Theaterstücke wurde der Nobelpreiskandidat vielfach mit Preisen bedacht, zuletzt mit dem Europäischen Literaturpreis und der Auszeichnung des Norwegischen Kulturrates.
Der gebürtige Berliner Hinrich Schmidt-Henkel - gleicher Jahrgang wie Fosse - hat sich als Übersetzer von Lyrik, Prosa und Theaterstücken einen Namen gemacht. Die Jury würdigt mit dem Preis seine „beeindruckende Sprachgenauigkeit und Sprachsensibilität“. Schmidt-Henkel sei ein Übersetzer, der die Stimme Fosses „absolut authentisch ins Deutsche zu übersetzen vermag“.


Poesiepreisträger Derek Walcott gestorben

Der Dichter und Nobelpreisträger Derek Walcott ist im Alter von 87 Jahren auf der Karibikinsel Saint Lucia gestorben. Im Jahr 2013 erhielt er den Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie.
Münster ehrte Walcott und dessen deutschen Übersetzer Werner von Koppenfels für den Gedichtband „Weiße Reiher“. Der Band erschien im Jahr 2012 im Hanser Verlag als zweisprachige Ausgabe. In 54 Gedichten, die zum Teil auf mehrstrophige Zyklen anschwellen, geht der Lyriker auf Wanderschaft und erkundet seine Lebensspuren zwischen der Karibik, Europa und Amerika.
Der „poetische Weltbürger“ Derek Walcott wurde 1930 auf Saint Lucia geboren. Dort ging er auch aufs College, besuchte danach auf Jamaika die University of the Westindies. 1953 zog er nach Trinidad, wo er als Kritiker arbeitete. Durch einen Lehrauftrag an der Boston University kam er nach Nordamerika.
Auf seiner langen Wanderschaft durch den Schmelztiegel der Kulturen in der Karibik hat er viele Meilen eines schmerzhaften Exils zurückgelegt und dabei die Leidens- und Kolonialgeschichte des Inselreichs aufgeschrieben. Als ein „heimatloser Satellit im Umlauf“, wie es im Gedicht „Nord und Süd“ heißt, durchquerte er die Welt.
Sein erstes Gedicht schrieb Walcott mit 18 Jahren. Der Durchbruch gelang ihm 1962 mit „In a Green Night“, einer Sammlung seiner Gedichte von 1942 bis 1960. Walcott veröffentlichte mehr als 20 Gedichtbände und über 30 Theaterstücke. Als sein wichtigstes Werk gilt das 1990 publizierte Versepos "Omeros". Im Jahr 1992 erhielt Walcott den Nobelpreis für Literatur.
„Weiße Reiher“ ist das letzte Buch, das von Walcott erschien.
Er starb am 17. März 2017 im Kreise von Freunden und Familie, teilte die Stiftung für kulturelle Entwicklung des Karibikstaats St. Lucia mit. „Die Kulturgemeinde, St. Lucia und die Welt hat eine literarische Ikone verloren", heißt es im Nachruf.


Das Lyrikertreffen im Film


Der rund achtminütige Film vermittelt einen Einblick in die Facetten und Besonderheiten des Lyrikertreffens und des noch jungen Rahmenprogramms „Poetry“.
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